Hitler, Mozart, Christoph Waltz

Dieser Tage sah ich auf Arte ein Porträt des weltbesten Filmbösen: Christoph Waltz. Zweifacher Oscar- Preisträger, weil keiner die Schlechtigkeit des Menschen so gut darstellt wie er. Und eine warme weibliche Stimme im Off betonte mehrfach: Christoph Waltz ist Österreicher.

Dazu folgende Richtigstellung:

Mit den Österreichern ist das so eine Sache: Hans Krankl, Max Merkel, Sebastian Kurz, Bruno Kreisky, Ernst Happel, René Benko, Arnold Schwarzenegger, Hans Mahr -alle Österreicher. Wie auch Strache, Waldheim, Marsalek und Unterweger. Aber Christoph Waltz (65)?“Obwohl er erst seit wenigen Jahren die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt“, verstehe sich Waltz als „Österreicher durch und durch“. So 2013 die „Tiroler Tageszeitung“. Was bedeutet: Vorher war Waltz noch Deutscher!

In Österreich hat man so eine Angewohnheit, Deutsche zu Österreichern zu erklären und umgekehrt, je nach Bedarf. Adolf Hitler z. B. war zweifelsfrei Österreicher, Geburtsort: Braunau am Inn. Als er die deutsche Staatsangehörigkeit erlangte und Reichskanzler wurde, war man in Österreich stolz auf ihn als großen Sohn des Landes. Nach seinem Untergang mutierte er im Bewusstsein vieler Ösis quasi über Nacht wieder zum Deutschen. Aha.

Womit wir bei Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) sind, gepriesen als österreichisches Wunderkind. Wie das, wo doch sein Geburtstort Salzburg damals zu Bayern, also Deutschland, gehörte? Da ist ein Missverständnis eigentlich ausgeschlossen. Eigentlich!

PS: Zu Otto von Habsburg. Ein intellektueller Gigant. Viele Österreicher wollten ihn nicht, wg. Habsburg. Ich hätte ihn gern als gebürtigen Deutschen gehabt.

Dieser Text erschien zuerst in Euro am Sonntag.

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